Aufgeschlagene historische Notenbücher mit handgeschriebener Musik, lateinischen Texten und barocker Kupferstich-Illustration

Historisches Musikarchiv von St. Stephan


Musik ist seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil der Liturgie am Stephansdom. Ein Forschungsprojekt des Domarchivs und der ÖAW widmet sich der Erforschung dieser reichen und bis heute lebendigen Tradition.

Das historische Musikarchiv des Wiener Stephansdoms umfasst jene Bestände, die den Dombrand von 1945 überstanden haben. Erhalten sind rund 600 Signaturen mit wertvollen Zeugnissen der Musikgeschichte am Stephansdom.

Forschungsprojekt: Wissenschaftliche Erschließung des historischen Musikarchivs

Über das historische Musikarchiv von St. Stephan

Musik ist seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil der Liturgie am Wiener Stephansdom. Zur feierlichen Gestaltung der Gottesdienste wurden bereits früh Choralhandschriften angeschafft. Von diesen frühen Beständen sind heute jedoch nur noch wenige Reste erhalten, die sich inzwischen auf verschiedene Bibliotheken verteilen.

Die heute vorhandenen Altbestände des Dommusikarchivs reichen bis in die 1690er Jahre zurück, der Großteil stammt jedoch aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Bestand umfasst rund 600 Handschriften und Drucke sowie großformatige Choralbücher wie Antiphonare und Gradualien. Dabei handelt es sich jedoch nur um einen Teil des ursprünglichen historischen Musikarchivs des Stephansdoms.

Ein Großteil der Musikalien ging beim Dombrand im April 1945 verloren. Es wird angenommen, dass der ursprüngliche Bestand zwischen 2.000 und 4.000 Signaturen umfasste. 

Forschungsschwerpunkt

Die erhaltenen Bestände des historischen Dommusikarchivs werden im Rahmen eines gemeinsamen Projekts des Domarchivs, der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) wissenschaftlich erschlossen.

Nachdem die Musikalien nach einem Wasserschaden gesichert wurden, konnten sie gereinigt, sortiert, katalogisiert und fachgerecht archiviert werden.

Kataloge

Zwei historische Verzeichnisse aus dem 19. Jahrhundert geben einen Überblick über historisches Material:

  • Inventarium des Kapellhauses (1824)
    „Inventarium Uiber die der Domkirche St. Stephan gehörigen Instrumente, Musikalien, und Mobilien im Kapellhause, welche von denen am Ende Unterschriebenen am 6.ten December 1824 vorgefunden, und der Ordnung nach beschrieben worden.“
  • Musikalien-Katalog (1827–1920)
    „Catalog sämtlicher Musicalien, welche der Kapellmeister der Dom-Kirche St. Stephan in Verwahrung hat[,] verfasset von Joann Bapt. Gaensbacher Dom-Kapellmeister in den Jahren 1827 u. 1828.“ Dieser Katalog wurde bis etwa 1920 laufend ergänzt.

Ausgewählte Objekte aus dem historischen Musikarchiv St. Stephan

Die Bestände des Alten Dommusikarchivs bieten einen lebendigen Einblick in die Musikwelt des Domes.

Stapel historischer Notenhandschriften

Die historischen Noten im „Originalzustand“

Notenkonvolut einer Messe von Joseph Haydn im Originalumschlag von ca. 1820 (im Originalzustand vor der Reinigung und Archivierung).

Historisches Notenblatt mit handgeschriebenen Noten und handschriftlichen Notizen aus den 1930er- und 1940er-Jahren

Zeitgeschichte im Notenarchiv

Einträge in Franz Schuberts Messe in G-Dur: „3. Kriegsjahr Fronleichnam 1942, 7 Uhr abends“ und „5. Kriegsjahr Fronleichnam 1944 7h früh“.

Bleistiftzeichnung über Notenlinien

Beethoven oder Napoleon?

Auch jede Menge an Zeichnungen lassen sich in den Noten finden: Ist es ein kleiner Beethoven oder doch Napoleon, der hier in Beethovens Messe in C-Dur so andächtig kniet?

Historisches Notenblatt mit handschriftlichen Noten, lateinischem Gesangstext und kleinen Bleistiftzeichnungen zwischen den Notenzeilen

Dom-Monster?

Vor allem die Stimmen, aus denen die Sängerknaben sangen, sind reich an „Verzierungen“. In Joseph Haydns Kleiner Orgelsolo-Messe tummeln sich bei uns so einige „Monster“.

Aus dem Archiv zurück in den Dom

Die Bestände des Alten Dommusikarchivs werden laufend durch Noten ergänzt, die von der Dommusik aus dem aktiven Gebrauch genommen wurden. Doch auch umgekehrt ist es Domkapellmeister Markus Landerer ein Anliegen, Werke aus dem historischen Bestand wieder in das aktuelle Repertoire einzubringen. 

So wurden in den letzten Jahren beispielsweise die Dankmesse von Gottfried von Preyer oder die Missa pro Diebus Rogationis von Johann Baptist Gänsbacher aus dem Archiv wieder in den Stephansdom zurück und zum Erklingen gebracht.

Kontakt

Für Fragen zum historischen Musikarchiv sind wir gerne für Sie da.

Mag. Dr. Elisabeth Hilscher lächelnd mit Brille und blauer Jacke

Mag. Dr. Elisabeth Hilscher

Historisches Musikarchiv

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