Die Kanzel des Stephansdoms
Das gotische Meisterwerk mit dem berühmten Fenstergucker
Die Kanzel des Stephansdoms zählt zu den bedeutendsten Kunstwerken der Spätgotik in Österreich. Über Jahrhunderte hinweg diente sie als zentraler Ort der Verkündigung und prägte das religiöse Leben im Dom. Bis heute beeindruckt sie durch ihre außergewöhnliche Steinmetzkunst, ihre symbolreiche Gestaltung und die vielen versteckten Details.

Wo im Dom befindet sich die Kanzel?
Die Kanzel befindet sich im Mittelschiff des Stephansdoms, etwa auf halber Länge des Kirchenraums. Sie ist an einem der mächtigen Pfeiler angebracht und bereits beim Betreten des Hauptschiffs durch das Riesentor (Hauptportal) gut sichtbar.

Geschichte und Architektur der Kanzel
Entstehung
Die Domkanzel gilt als eines der bekanntesten Kunstwerke im Stephansdom. Sie wurde aus Breitenbrunner Kalksandstein gefertigt und entstand vermutlich zwischen 1480 und 1510. Schriftliche Quellen über die Entstehung sind nicht erhalten, weshalb bis heute nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden kann, wer die Kanzel geschaffen hat. Traditionell wurde die Kanzel oft dem Wiener Dombaumeister Anton Pilgram zugeschrieben. Nach heutigem Forschungsstand stammt der Entwurf der Kanzel jedoch wahrscheinlich nicht direkt von Pilgram, sondern eher aus der Werkstatt beziehungsweise dem Umkreis von Niclaes Gerhaert van Leyden. Pilgram war an der Ausführung jedenfalls beteiligt, da sich sein Steinmetzzeichen an der Kanzel befindet.
Gesamteindruck
Das gotische Maßwerk prägt das Erscheinungsbild der Kanzel mit seinen filigranen Steinornamenten und kunstvollen geometrischen Formen. Charakteristisch sind Spitzbögen sowie Kreis-, Drei- und Vierpassmotive, die sich zu harmonischen, symmetrischen Mustern verbinden.
Aufbau
Der gesamte Aufbau der Kanzel vermittelt eine religiöse Botschaft. Der Kanzelfuß wird von Heiligenfiguren getragen, während am Kanzelkorb die vier lateinischen Kirchenväter dargestellt sind. Gemeinsam symbolisieren sie das Fundament des christlichen Glaubens und die Weitergabe der Lehre der Kirche.
Sechzehn Stufen führen zur Kanzel hinauf. Das Geländer, ein Meisterwerk spätgotischer Steinmetzkunst, besteht aus neun ornamentalen Rädern mit symbolischer Bedeutung. Die dreipassförmigen Motive stehen für die Dreifaltigkeit, die vierpassförmigen für die irdische Welt. Der Aufstieg zur Kanzel kann daher als Sinnbild verstanden werden: Der Prediger lässt das Irdische hinter sich und richtet sich auf das Göttliche aus.
Häufig gestellte Fragen zur Kanzel
Muss ich ein Ticket kaufen, um die Kanzel zu besichtigen?
Um die Kanzel aus der Nähe besichtigen zu können, benötigen Sie ein Ticket. Der Zugang ist entweder mit dem All-Inclusive-Ticket oder dem Kirchenraum-Einzelticket möglich.
Kann ich die Kanzel im Stephansdom bei einer Führung besichtigen?
Ja, die Kanzel kann im Rahmen einer Domführung besichtigt werden. Die Führungen werden regelmäßig in deutscher und englischer Sprache angeboten.
Was ist der Fenstergucker?
Der „Fenstergucker“ ist eine berühmte Steinbüste an der Kanzel des Stephansdoms. Die Figur blickt neugierig aus einer steinernen Öffnung und gilt als eines der bekanntesten Details im Kirchenraum. Viele sehen in ihr ein Selbstporträt des Dombaumeisters Anton Pilgram, auch wenn diese Zuschreibung historisch nicht gesichert ist. Gemeinsam mit der Legende vom „Hansl“ zählt der Fenstergucker zu den beliebtesten Wahrzeichen des Stephansdoms.
Wer hat die Kanzel im Stephansdom gebaut?
Die Kanzel des Stephansdoms wird traditionell dem spätgotischen Baumeister und Bildhauer Anton Pilgram zugeschrieben. Ob er tatsächlich ihr Schöpfer war, ist jedoch umstritten. Heute geht die Forschung eher davon aus, dass die Kanzel von einem Meister aus dem Umfeld des Bildhauers Niclaes Gerhaert van Leyden geschaffen wurde.











