
Restaurierung des Stephansdoms
Wie die Dombauhütte den Dom bewahrt
Die Wiener Dombauhütte arbeitet laufend an der Restaurierung und Konservierung des Gesamtkunstwerks Stephansdom. Mit jahrhundertealten Steinmetztechniken und modernstem Fachwissen sorgt sie für den sicheren Erhalt des Doms – präventiv, vorausschauend und mit großem Respekt vor über 800 Jahren Baugeschichte.

Die Arbeit der Dombauhütte
Seit dem Mittelalter begleitet die Wiener Dombauhütte den Bau und Erhalt des Stephansdoms. Was einst als Bauhütte begann, entwickelt sich über die Jahrhunderte zu einem Zentrum für Denkmalpflege – mit dem Ziel, den Dom für kommende Generationen zu bewahren.
Meilensteine der Restaurierung
1590
Erdbeben
Die erste große Restaurierung des Stephansdoms erfolgt 1590 nach dem „Neulengbacher Beben“ – dem stärksten Erdbeben in der Geschichte Österreichs.
1683
Türkenbelagerung
Schäden durch Kanonenbeschuss erfordern umfassende Arbeiten. Als Mahnmal werden Kanonenkugeln mit Jahreszahl sichtbar in das Mauerwerk eingesetzt.
1805–1809
Napoleonische Kriege
Bombenschäden führen zu systematischen Untersuchungen und Restaurierungsarbeiten.
19. Jahrhundert
Moderne Denkmalpflege
Die Dombauhütte wird neu organisiert und widmet sich bis heute der ständigen, präventiven Erhaltung des Stephansdoms. Unter den Baumeistern Paul Sprenger, Leopold Ernst und Friedrich von Schmidt wird der Südturm restauriert.
1945–1952
Der große Brand
In den letzten Kriegstagen steht der Stephansdom in Flammen. Das Dach brennt fast vollständig ab. 45 Prozent der Bausubstanz werden zerstört. Das neue Dach ist bereits 1950 in Rekordzeit fertiggestellt. 1952 erfolgt die feierliche Wiedereröffnung.
1976–1998
Nordturm
Über zwei Jahrzehnte wird der unvollendete Nordturm umfassend saniert.
1993–2011
Westwerk
Die gesamte Westfassade mit dem Riesentor und den romanischen Heidentürmen wird in mehreren Etappen restauriert.
2000–2025
Südturm
Die stufenweise Restaurierung des Südturms beginnt – von der Spitze bis zum Fundament. Im Herbst 2025 ist die Renovierung des Südturms abgeschlossen.
Als der Stephansdom brannte
Der Stephansdom-Brand 1945
Am 11. April 1945 steht der Stephansdom in Flammen. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs geraten Gebäude rund um den Stephansplatz in Brand. Funken springen auf das Dach des Doms über. Der mittelalterliche Dachstuhl aus Lärchenholz brennt fast vollständig ab. Das Feuer zerstört nicht nur das Dach, sondern auch das spätgotische Chorgestühl, die Domorgel und Teile des Südturms. Die alte Pummerin stürzt ab und zerbricht.
Keine Bombe, sondern ein Funke
Der Stephansdom wurde nicht gezielt bombardiert. Vielmehr wurde das Feuer durch Funkenflug von umliegenden Gebäuden ausgelöst. Die genaue Ursache dafür ist bis heute nicht geklärt – ein Erklärungsansatz geht von Plünderungen aus. Sicher ist jedoch: Der Brand war eine tragische Folge der Kriegswirren.
Der große Wiederaufbau nach 1945
Kurz nach Kriegsende beginnt der Wiederaufbau. Statt des alten Holzdachstuhls wird eine moderne Konstruktion aus Stahl errichtet – in Form und Höhe dem historischen Dach nachempfunden. 1950 ist das neue Dach fertig eingedeckt. Ab 1952 steht der gesamte Kirchenraum wieder für Gottesdienste zur Verfügung. Doch bis heute werden Schäden von 1945 behoben.
Die feierliche Wiedereröffnung 1952
Am 26. April 1952 wird der Stephansdom feierlich wiedereröffnet. Durch Spendenaktionen und Hilfe aus ganz Österreich gelingt der Wiederaufbau in nur sieben Jahren. An diesem Festtag trifft auch die neue Pummerin in Wien ein – gegossen aus den Resten der zerstörten Glocken. Der Tag wird zu einem großen Fest für ganz Wien.
Häufig gestellte Fragen zur Restaurierung
Warum brannte der Stephansdom 1945?
Der Brand entstand vermutlich nicht direkt durch Kriegshandlungen. Der Stephansdom selbst wurde nicht von Bomben getroffen. Vielmehr sprangen Funken von anderen Gebäuden auf das Dach des Stephansdoms über. Die genaue Ursache für den Brand am Stephansplatz ist bis heute nicht endgültig geklärt. Sicher ist aber: Der Brand war eine tragische Folge der Kriegswirren.
Woher kommen die Steine für die Restaurierung?
Der Stephansdom wurde aus Kalksandstein erbaut. Der Großteil der Steine stammt aus dem Leithagebirge, insbesondere aus Mannersdorf und Au. Dies belegen historische Rechnungen des Kirchenmeisteramts.
An der Vorderhalle des Singertors kam Mannersdorfer Algenkalk zum Einsatz. Die Dienstbotenmadonna wurde aus Atzgersdorfer Kalksandstein gefertigt.
Für die Restaurierung des Stephansdoms verwendet die Dombauhütte nach Möglichkeit dieselben Natursteine wie beim historischen Bau. Je nach Bauteil werden auch andere geologisch passende Natursteine eingesetzt, um Material, Farbe und Eigenschaften des ursprünglichen Gesteins möglichst genau zu erhalten.
Warum ist am Stephansdom immer ein Gerüst?
Die Erhaltung eines über 800 Jahre alten Bauwerks erfordert ständige Aufmerksamkeit. Dass oft ein Gerüst am Stephansdom zu sehen ist, ist ein gutes Zeichen. Die Dombauhütte erkennt Schäden frühzeitig und saniert laufend. Diese präventiven Arbeiten gelten als Goldstandard in der Denkmalpflege.
Kontakt
Bei Fragen zur Restaurierung des Stephansdoms wenden Sie sich bitte an das Dombausekretariat.

Daniela Tollmann
Dombausekretariat














