
Der unvollendete Nordturm des Stephansdoms
Ein Pakt mit dem Teufel & historische Erklärung
Hatte der Abbruch der Arbeiten am Nordturm andere Gründe als Finanznöte während der Türkenkriege? Die Sage von Hans Puchsbaum erzählt dazu Erstaunliches.
Die Sage von Hans Puchsbaum und seinem Pakt mit dem Teufel
Heiratsversprechen
Hans Puchsbaum arbeitete als junger Baumeister am Stephansdom. Er verliebte sich in Maria, die Tochter seines Meisters und hielt um ihre Hand an.
Doch ihr Vater stellte ihm eine nahezu unerfüllbare Bedingung: Nur wenn Puchsbaum den zweiten Turm des Stephansdoms innerhalb eines Jahres vollendet, darf er Maria zur Frau nehmen. Puchsbaum lässt sich auf das Versprechen ein – und erkennt bald, dass die Aufgabe mit menschlichen Kräften kaum zu schaffen ist.
Pakt mit dem Teufel
In seiner Verzweiflung nahm Puchsbaum die Hilfe des Teufels an. Dieser versprach, dafür zu sorgen, dass der Turm rechtzeitig fertig wird. Doch er stellt eine Bedingung: Während der gesamten Bauzeit darf Puchsbaum weder den Namen Gottes noch den Namen eines Heiligen aussprechen. Puchsbaum willigte ein. Von nun an wuchs der Turm schnell in die Höhe.
Verhängnisvolles Ende
Eines Tages stand Puchsbaum hoch oben auf dem Turm und sah unten seine Geliebte. Ohne an seinen Pakt zu denken, rief er nach ihr: „Maria!“ Damit hatte er zugleich den Namen der Gottesmutter ausgesprochen. Im selben Augenblick forderte der Teufel seinen Preis: Puchsbaum stürzte vom Turm in den Tod. Der Bau blieb unvollendet.
Historische Erklärung für den Baustopp des Nordturms
Nach sechzig Jahren Bauzeit wurden die Arbeiten am Nordturm des Stephansdoms im Jahr 1511 eingestellt. Zur Zeit der osmanischen Kriege waren die Finanzmittel knapp, und andere Prioritäten in den Vordergrund gerückt. Dazu kam wohl, dass die Renaissance Einzug gehalten hatte – und damit den gotischen Entwurf des Nordturms ein Stück weit überholt hatte.

Der Nordturm heute
Obwohl unvollendet, erreicht der Nordturm mit 68 Metern eine stattliche Höhe. Seit 500 Jahren wird er in seiner heutigen Form bewahrt. Es gibt keine Planungen, den mittelalterlichen Entwurf fertigzubauen.
Der Turm kann heute bequem per Aufzug besichtigt werden. Von der Aussichtsplattform bietet sich ein weiter Rundblick über Wien. Auch die Pummerin kann dort aus nächster Nähe besichtigt werden: knapp 21 Tonnen schwer, ist sie die größte Glocke Österreichs.






