
Die Legende vom Fenstergucker
Erblicken wir im geheimnisvollen „Fenstergucker“ unter der Kanzel des Stephansdoms tatsächlich den berühmten Baumeister Anton Pilgram? Sicher ist das nicht. Und fantastisch ist, was die Legende dazu erzählt.
Die Sage vom „Hansl“
Frecher Ministrant Hansl
Hansl war einer der Ministranten im Stephansdom. Und ein besonders vorwitziger noch dazu. Statt während der Messe aufmerksam seinen Dienst zu versehen, trieb er allerlei Unfug. Besonders gern soll er sich versteckt und neugierig hervorgeschaut haben, um die Menschen im Dom zu beobachten und zum Lachen zu bringen.
Strenge Strafe
Eines Tages ging Hansl mit seinen Streichen zu weit. Zur Strafe wurde er versteinert. Seither schaut er aus einem steinernen Fenster unterhalb der berühmten Domkanzel hervor.
Mahnende Mutter
Die Wiener Mütter wussten die Geschichte für ihre Zwecke zu nutzen. Wenn ihre Kinder faul waren oder nichts tun wollten, erinnerten sie an den versteinerten Hansl.
Dazu passt eine weitere Überlieferung: Wer dreimal um die Kanzel geht und den Fenstergucker fragt „Hansl, was machst du?“, bekommt beim dritten Mal die Antwort: „Nix!“
Historischer Hintergrund - Selbstbildnis oder unbekannter Meister?
In der Überlieferung gilt der Fenstergucker als Selbstporträt des Dombaumeisters Anton Pilgram. Dagegen spricht, dass sich die Züge des Fensterguckers deutlich vom gesicherten Selbstporträt Pilgrams am Orgelfuß unterscheiden.
Nach heutigem Forschungsstand stammt der Entwurf der Kanzel wahrscheinlich nicht direkt von Pilgram, sondern aus der Werkstatt beziehungsweise dem Umkreis von Niclaes Gerhaert van Leyden. Pilgram war an der Ausführung jedenfalls beteiligt, da sich sein Steinmetzzeichen an der Kanzel befindet.

Die Kanzel heute
Die spätgotische Kanzel und der berühmte Fenstergucker können auch heute noch im Stephansdom besichtigt werden. Wer den Blick nach oben richtet, entdeckt den geheimnisvollen steinernen Beobachter und eines der bedeutendsten Kunstwerke des Doms aus nächster Nähe.
Wo im Dom befindet sich der Fenstergucker?
Der Fenstergucker befindet sich an der Kanzel im Mittelschiff des Stephansdoms. Die berühmte Steinfigur ist an einem der Pfeiler unterhalb der Kanzel angebracht und blickt mit ihrem markanten Gesichtsausdruck aus einem steinernen Fenster. Vom Riesentor (Hauptportal) aus ist die Kanzel etwa auf halber Länge des Kirchenraums gut sichtbar.






