Skulptur des Schmerzensmanns (Zahnwehherrgott) mit Dornenkrone vor Wandmalereien und Steinreliefs

Die Sage vom Zahnwehherrgott

Hat es Folgen, wenn man es angesichts einer Christusfigur an Respekt mangeln lässt? Der Sage nach können das schmerzvolle sein.

Steinskulptur von Jesus Christus mit Dornenkrone und schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck
Skulptur des Zahnwehherrgotts mit Dornenkrone auf einer Säule vor historischen Wandmalereien und Steinreliefs
Steinskulptur des Zahnwehherrgott: Jesus Christus mit Dornenkrone und Wundmalen
Skulptur des leidenden Christus mit Dornenkrone, bekannt als Zahnwehherrgott, neben einem Wandrelief

Vom Spott zur Reue - Die Sage vom Zahnwehherrgott

Stiller Schmerzensmann

An der Außenseite des Stephansdoms stand die steinerne Figur des leidenden Christus. Fromme Frauen schmückten sie mit Blumen, die mit einem Band um den Kopf befestigt wurden. Als die Blumen verwelkten und abfielen, blieb das Band zurück. Es sah aus wie ein Tuch, das man sich bei Zahnschmerzen um die Wange bindet. 

Ausgelassene Zechbrüder

Eines Abends kamen drei angeheiterte Studenten vorbei. Beim Anblick der Figur machten sie sich lustig: Der Herrgott habe wohl Zahnweh, spotteten sie. Lachend gingen sie nach Hause. Doch noch in derselben Nacht wurden alle drei selbst von heftigen Zahnschmerzen geplagt. 

Bittere Reue

Kein Mittel wollte helfen. Schließlich erkannten die drei den Zusammenhang mit ihrem Spott. Sie kehrten zum Stephansdom zurück, knieten vor der Christusfigur nieder und baten reumütig um Verzeihung. Da verschwanden ihre Zahnschmerzen ebenso plötzlich, wie sie gekommen waren. 

Fortan nannten die Wienerinnen und Wiener die Figur den „Zahnwehherrgott“ – und Menschen mit Zahnschmerzen suchten bei ihr Hilfe.

Skulptur des Zahnweh-Herrgotts an einer hohen Steinwand, flankiert von zwei Kerzenleuchtern

Zahnwehherrgott im Stephansdom - Warum es ihn zweimal gibt

Die Darstellung gehört dem im 14. Jahrhundert weit verbreiteten Bildtypus des „Schmerzensmannes“ an. 1950 wurde das Original aus konservatorischen Gründen ins Kircheninnere an der Westwand der Nordturmhalle gebracht. 

Eine Kopie steht heute dort, wo ihn viele Generationen von Wienerinnen und Wienern kennen: An der Außenseite des Mittelchors, in der sogenannten „Armenseelennische“.

Wo befindet sich der Zahnwehherrgott an der Außenfassade?

Der Zahnwehherrgott befindet sich an der Außenfassade des Stephansdoms an der Ostseite des Chors, in der sogenannten Armenseelennische. Vom Stephansplatz aus gelangt man über die Domgasse zur Rückseite des Doms, wo die Figur in einer Wandnische zu finden ist.

Domarchivar

Reinhard H. Gruber, MA

Reinhard H. Gruber mit Brille, Bart und grauem Sakko

Es gibt schlimmere Schmerzen als Zahnweh, aber auch mit diesen kann man zum Zahnwehherrgott gehen.

Reinhard H. Gruber hat Theologie in Innsbruck und Wien studiert. Seit 1995 ist er am Stephansdom tätig und seit 2000 Leiter des Domarchivs St. Stephan. Er hat den offiziellen Domführer für St. Stephan verfasst und ist Autor mehrerer Bücher über den Dom.

Mehr Sagen & Legenden aus dem Stephansdom entdecken

Doppelseite aus dem Wiener Heiltumsbuch von 1502 mit Holzschnitt des Wiener Stephansdoms links und gedrucktem Text der Vorrede rechts

Der unvollendete Nordturm

Warum blieb der Nordturm unvollendet? Einer Sage nach führte ein teuflischer Pakt zum Scheitern des Bauvorhabens. Die Legende lebt bis heute fort.

Steinrelief des Fensterguckers: Ein Mann mit Kappe blickt aus einem Fensterrahmen und hält einen Zirkel

Fenstergucker

Der „Fenstergucker“ zählt zu den bekanntesten Figuren des Stephansdoms. Ob unbekannter Baumeister oder der freche Ministrant Hansl – seine wahre Identität bleibt bis heute ein Geheimnis.

Statue der Dienstbotenmuttergottes mit dem Jesuskind an einem steinernen Kirchenpfeiler neben einer brennenden Kerze

Dienstbotenmuttergottes

Wie kam es, dass dieses gotische Meisterwerk zur Schutzfigur einfacher Hausangestellter wurde? Die Legende dazu ist herzergreifend.