Blick vom Nordturm auf die Ruinen des Stephansdoms nach dem Dombrand 1945

Die Geschichte des Wiener Stephansdoms

Vom Mittelalter bis heute

Seit fast 1.000 Jahren prägt der Stephansdom das Herz Wiens und spiegelt die wechselvolle Geschichte der Stadt wider. Als geistliches Zentrum, Wahrzeichen und architektonisches Meisterwerk wurde der Dom über Jahrhunderte hinweg erweitert, umgestaltet und erneuert. Der folgende Zeitstrahl lädt dazu ein, die wichtigsten Stationen seiner Geschichte zu entdecken – von den romanischen Anfängen über die Gotik bis in die Gegenwart.

Vermutete Ansicht der romanischen Stephanskirche aus dem Buch Beschreibung der Metropolitankirche zu St. Stephan von Joseph Ogesser Wien 1779
Riesentor Stephansdom Seitenansicht
Heidentürme und gemustertes Ziegeldach an der Westfassade des Wiener Stephansdoms

Romanischer Bau

Die Entstehung des Stephansdoms wurzelt im frühen Mittelalter.

1137

Erster romanischer Bau

1137 wird mit dem Bau der ersten Stephanskirche begonnen. Von ihr sind nur noch wenige Reste erhalten. Der Platz mit den romanischen Vorgängerbauten befand sich damals noch außerhalb der Stadtmauern. Die erste urkundliche Nennung der Kirche und Pfarre St. Stephan findet sich im „Mauterner Vertrag“. Geostet ist die Kirche auf den Sonnenaufgang des 26. Dezember.

1147

Weihe der ersten Kirche

Die erste romanische Stephanskirche wird vom Passauer Bischof Reginbert von Hagenau geweiht. Damals gehörte Wien zum Bistum Passau. In der Weihenotiz wird erstmals ein Pfarrer von St. Stephan erwähnt, namens Eberger, auch Eberhard genannt, der mit der alten Erzählung über die „Eberhardslinde“ in Verbindung steht.

1200–1225

Heidentürme & Riesentor 

Der zweite romanische Bau wird errichtet. Das Westwerk mit dem Riesentor und den Heidentürmen ist heute der älteste erhaltene Teil des Doms. 

Riesentor
Der Name des Riesentors wird häufig auf die mittelalterliche Bezeichnung „Ristor“ beziehungsweise auf das mittelhochdeutsche Wort „risen“ („hineinziehen“, „hineinfallen“) zurückgeführt. Die gestufte Form des Trichterportals verengt sich nach innen und lenkt den Blick in den Dom. Dadurch entsteht der Eindruck, als ziehe das Portal die Besuchenden in den Kirchenraum hinein.

1258

Stadtbrand

Bei einem Stadtbrand wird St. Stephan beschädigt.

Großer Stiftsbrief des Herzogs Rudolf IV., ausgestellt 1365 zur Ausstattung des Kollegiatkapitels St. Stephan
Stich Frühgotischer Hallenchor und Langhaus aus dem Buch Beschreibung der Metropolitankirche zu St. Stephan von Joseph Ogesser Wien 1779
Wiener Stephansdom mit Südturm und buntem Ziegeldach über den Dächern der Stadt

Gotischer Bau

Unter den Habsburgern wird St. Stephan im späten Mittelalter erweitert. Dabei entstehen die großen gotischen Bauteile und Türme.

1304–1340

Gotische Chorhalle

Die romanische Kirche wird um einen gotischen Hallenchor erweitert. Nach dem damaligen Landesherrn, Herzog Albrecht II., wird er „Albertinischer Chor“ genannt. 1340 nimmt der Passauer Bischof Albert II. von Sachsen-Wittenberg die Weihe des Chors vor. Finanziert wird der Bau hauptsächlich von der Wiener Bürgerschaft.

1359

Gotische Erweiterung durch Rudolf IV.

Herzog Rudolf IV., „der Stifter“, legt den Grundstein für den Bau des gotischen Langhauses und Südturms. Damit beginnt der Dom die Grundzüge seiner heutigen Gestalt anzunehmen.

1365

Allerheiligen-Kapitel

Rudolf IV. gründet das Allerheiligen-Kapitel, das heutige Domkapitel. Damit einher geht die Erhebung St. Stephans zur Kollegiatkirche und die Erweiterung des Patroziniums auf „Allerheiligen“.

Dommusik
Erstmals urkundlich erwähnt ist das organisierte hauseigene Musikwesen im Stiftsbrief von Herzog Rudolf IV. aus dem Jahr 1365. Darin wird im Zusammenhang mit der Errichtung eines Kollegiatkapitels (dem heutigen Domkapitel) auch ein Kantor genannt. Dieser war für Chorleiter, Chorsänger und Schüler (Stephaner Sängerknaben) verantwortlich.

1433

Vollendung des Südturms

Der Südturm („St. Stephansturm“) wird vollendet. Er gilt als der höchste Kirchturm Europas seiner Zeit.

Der Südturm – Meisterwerk der Gotik
Der mächtige Baukörper strebt immer schlanker werdend himmelwärts. Das entspricht ganz dem gotischen Ideal. Maßwerk, Fialen und Spitzbögen lassen den Bau filigran und leicht erscheinen.

1450

Baustart des Nordturms

Die Arbeiten zum Nordturm werden aufgenommen, im Jahr 1511 jedoch eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt hat der Turm seine heutige Höhe von etwa 60 Metern erreicht.

Der unvollendete Nordturm
Geldmangel und veränderte Prioritäten im Zuge der osmanischen Kriege waren die Gründe, warum der Turm nicht vollendet wurde. Legenden berichten auch von einem missglückten Pakt mit dem Teufel.

1469

Bischofssitz

Kaiser Friedrich III. gelingt es, Wien als Bischofssitz zu etablieren. Mit der Bulle „In supremae dignitatis specula“ erhebt Papst Paul II. Wien zum Bistum und  St. Stephan zur Kathedrale.

Stich Hochaltar aus dem Buch Beschreibung der Metropolitankirche zu St. Stephan von Joseph Ogesser Wien 1779
Stich Orgelfuss aus dem Buch Beschreibung der Metropolitankirche zu St. Stephan von Joseph Ogesser Wien 1779
 Fotografie Altarraum vor dem Dombrand 1945 mit dem spätgotischem Chorgestühl
Fotografie der alten Pummerin im Südturm 1711
Spätgotischer Orgelfuß aus Stein an der Kirchenwand mit kunstvollem Rippengewölbe, Skulpturen und barockem Altar
Nordturm mit grüner Haube und Aussichtsplattform mit Blick über die Dächer der Stadt
Barocker Hochaltar im Stephansdom mit großem Altarbild, Skulpturen und Blumenschmuck vor bunten Glasfenstern

Frühe Neuzeit

Osmanische Belagerungen und die Napoleonischen Kriege: Der Stephansdom besteht und wächst auch in bewegten Zeiten.

1511–1515

Orgelfuß

Dombaumeister Anton Pilgram errichtet den Orgelfuß. Er ist eines der bedeutendsten Zeugnisse spätgotischer Architektur und Bildhauerkunst im Stephansdom.

1578

Haube des Nordturms

Der unvollendete Nordturm erhält seine charakteristische Renaissance-Haube.

1647

Hochaltar

Mit der Weihe des Hochaltars beginnt die barocke Neugestaltung der kultischen Einrichtung  im Kirchenraum.

1711

Pummerin

Aus erbeuteten osmanischen Kanonen von 1683 wird für St. Stephan 1711 eine große Glocke gegossen, die ab dem 19. Jahrhundert „Pummerin“ genannt wird. 

1722

Metropolitankirche

Durch die Bulle „Suprema dispositione“ von Papst Innozenz XIII. wird die Residenzstadt Wien zum Erzbistum und St. Stephan zur Metropolitankirche erhoben.

1732

Katakomben

Nach der Schließung des „St. Stephans-Freithofes“ werden unter Karl VI. und Maria Theresia die „neuen Grüfte“ angelegt. Als „Katakomben“ werden sie erst im 19. Jahrhundert bezeichnet.

1800–1900

Beginn der Denkmalpflege

Die Napoleonischen Kriege richten beträchtliche Schäden am Dom an. In Folge dessen wird die Dombauhütte neu organisiert. Bis heute widmet sie sich der kontinuierlichen und vorausschauenden Erhaltung des Stephansdoms.

Stephansdom Aussenansicht nach dem Dombrand 1945
Blick vom Nordturm auf die Ruinen des Stephansdoms nach dem Dombrand 1945
Weihung der neuen Pummerin vor dem Stephansdom
Die Pummerin im stählernen Glockenstuhl des Nordturms
Blick von oben auf das bunt gemusterte Ziegeldach des Stephansdoms mit dem kaiserlichen Doppeladler und der Jahreszahl 1831
Riesenorgel auf der Empore unter dem gotischen Gewölbe einer Kirche mit verzierten Steinsäulen und Kronleuchtern

Moderne & Gegenwart

Die Brandkatastrophe von 1945 mündet in eine umfassende Restaurierung, die bis heute andauert.

1945

Dombrand

In den letzten Kriegstagen steht der Stephansdom in Flammen. Das Dach brennt vollständig ab. Der Dom erleidet schwere Brandschäden.

Wiederaufbau & Österreichischer Zusammenhalt
Die Mittel im Österreich der Nachkriegszeit sind äußerst knapp. Dennoch wird die Aktion „Jeder Österreicher spendet einen Schilling für den Steffl“ ein überwältigender Erfolg. Der Einsatz für den Dom geht weit über Wien und private Spenderinnen und Spender hinaus: Jedes der neun Bundesländer übernimmt die Kosten für bestimmte Bereiche im Zuge der Wiederherstellung des Stephansdoms.

1951

Neues Dach

Das neue Dach ist bereits 1951 fertiggestellt.

Dachziegelaktion
1,7 Millionen Schilling bringt im Jahr 1949 die berühmte „Dachziegelaktion“. Für 5 Schilling können die Wienerinnen und Wiener dabei symbolisch einen Dachziegel des „Steffl“ erwerben. Sie haben damit in kargen Zeiten einen wesentlichen Beitrag zum Wiederaufbau des Doms geleistet.

1951

Neue Pummerin

1951 wird die neue Pummerin aus den Trümmern ihrer Vorgängerin in St. Florian neu gegossen. „Als Zeichen des Friedens und des Wiederaufbaus Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg“ würdigt sie Kardinal Theodor Innitzer bei ihrer Weihe im Jahr 1952. 1957 wird sie von ihrer provisorischen Heimstätte im Hof der Dombauhütte in den Nordturm des Stephansdoms aufgezogen. Mit über 22 Tonnen Gewicht zählt sie bis heute zu den größten Glocken Europas.

1952

Wiedereröffnung

Am 26. April 1952 wird der Stephansdom gemeinsam mit der Weihe der Pummerin von Kardinal Theodor Innitzer im Beisein tausender jubelnder Menschen feierlich wiedereröffnet. Noch bevor Österreich wieder als freier Staat erstand, wurde der Dom zu einem Symbol für die Zweite Republik.

1960

Neues Festgeläute

Am 2. Oktober 1960 wird gemeinsam mit der Riesenorgel das neue Festgeläute geweiht. Es umfasst elf Glocken, die ihre Heimstätte im Südturm gefunden haben.

2017–2020

Erneuerung der Riesenorgel

Von 2017 bis 2020 wurde die Riesenorgel 2017–2020 unter Verwendung alter Pfeifen und optisch unverändert neu konzipiert und mit moderner Technik ausgestattet. Über einen mobilen Generalspieltisch können heute die Riesenorgel und die Chororgel von 1991 gemeinsam gespielt werden.

2023

Restaurierung des südlichen Langhauses

Abschluss der Renovierung des südlichen Langhauses. Die „Schauseite“ des Doms – der berühmte Blick vom Graben zum Stephansdom – ist seit Langem wieder ohne Gerüst möglich.

2000–2025

Restaurierung des Südturms

Vom Fundament bis zur Spitze wird der Südturm stufenweise restauriert. Im Herbst 2025 sind die Arbeiten nach mehr als 25 Jahren abgeschlossen.

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Häufig gestellte Fragen zur Geschichte des Stephansdoms

Wie alt ist der Stephansdom?

Das kommt darauf an, von welchem „Stephansdom“ man spricht: 1147 – vor fast 900 Jahren – wurde an dieser Stelle die erste Stephanskirche geweiht. Der heutige Dom entstand jedoch über Jahrhunderte hinweg; wesentliche Teile des gotischen Baus stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Vor der Kirche von 1147 gab es mehrere Vorgängerbauten, die jedoch nur durch archäologische Spuren nachweisbar sind.

Welche Teile des Stephansdoms sind heute noch mittelalterlich?

Vom romanischen Vorgängerbau des 13. Jahrhunderts sind vor allem das Riesentor und die beiden Heidentürme erhalten. Aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammen große Teile des gotischen Langhauses und des Chors sowie der Südturm. Auch Ausstattungen wie die Pilgramkanzel, der Orgelfuß und der Wiener Neustädter Altar haben sich aus dem späten Mittelalter erhalten.

Warum brannte der Stephansdom 1945?

In den Kämpfen während der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs griffen Brände von benachbarten Häusern auf den Dom über. Funken setzten den hölzernen Dachstuhl in Brand. Das Feuer zerstörte das Dach, ließ die Pummerin abstürzen und richtete auch im Inneren schwere Schäden an.

Warum ist der Nordturm des Stephansdoms nicht fertiggebaut worden?

1511 wurden die Bauarbeiten am Nordturm eingestellt: Geldmangel aufgrund der osmanischen Kriege und nicht zuletzt der veränderte Zeitgeschmack der Renaissance rückten das gotische Bauprojekt in den Hintergrund.

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Ein Domführer gestikuliert vor einer Besuchergruppe im Stephansdom

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Bearbeitetes gotisches Werkstück aus Sandstein auf einer Werkbank in der Dombauhütte

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Die Wiener Dombauhütte widmet sich seit dem Mittelalter dem Bau und Erhalt des Wiener Stephansdoms.

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