
Forschungsprojekte der Dombauhütte
Digitalisierung & Wissenschaft
Die Dombauhütte verbindet jahrhundertealte Handwerkstradition mit modernen Methoden der Dokumentation, Forschung und Denkmalpflege und ist als international vernetztes Kompetenzzentrum für Denkmalwissenschaft im Austausch mit Fachinstitutionen und Expertinnen und Experten weltweit.
Zoologische Untersuchung am Friedrichsgrab
Forschungsprojekt in Kooperation mit der VedMed
Gemeinsam mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersucht die Dombauhütte St. Stephan die ca. 100 Tierdarstellungen am Friedrichsgrab im Stephansdom. Ziel des Forschungsprojekts ist es, die zahlreichen dargestellten Tiere zoologisch zu bestimmen und wissenschaftlich zu dokumentieren.
Tier-Symbolik im Mittelalter
Das Friedrichsgrab zeigt rund 100 Tierdarstellungen, darunter bekannte Tiere ebenso wie Mischwesen und fantastische Kreaturen. Durch die genaue zoologische Analyse lassen sich viele dieser Figuren konkreten Tierarten zuordnen. Dies eröffnet neue Einblicke in ihre mögliche Bedeutung, denn mittelalterliche Tierdarstellungen waren oft mit bestimmten Eigenschaften und Symbolen verbunden.
Das Friedrichsgrab
Das monumentale Grabmal Kaiser Friedrichs III. zählt zu den bedeutendsten spätgotischen Kunstwerken Europas. Aus 45 Tonnen Adneter Marmor gefertigt, wurde es nach Entwürfen von Niclaes Gerhaert van Leyden geschaffen und erst 20 Jahre nach dem Tod des Kaisers vollendet.
3D-Modellierung des Stephansdoms
Die Dombauhütte St. Stephan nutzt moderne 3D-Erfassungstechnologien, um den Stephansdom digital zu dokumentieren. Im Zuge des Projekts wurde ein präzises dreidimensionales Modell des Stephansdoms erstellt, das als Grundlage für Forschung, Dokumentation und Denkmalpflege dient.
Laserscans & Fotografien
Für die Erstellung des 3D-Modells werden verformungsgerechte Laserscans mit hochauflösenden Fotografien kombiniert. Der Laserscan bildet dabei das digitale Grundgerüst des gesamten Bauwerks, während tausende Fotografien fotogrammetrisch ausgewertet und für die detaillierte Erfassung von Skulpturen, Oberflächen und architektonischen Details in das Modell integriert werden.
Anwendungsmöglichkeiten
Das 3D-Modell dokumentiert den Zustand des Stephansdoms laufend und macht Veränderungen am Bauwerk sichtbar. Die digitalen Daten und Fotografien dienen als wichtige Grundlage für Restaurierungsmaßnahmen, indem sie den Zustand vor und nach Eingriffen präzise festhalten. Gleichzeitig ermöglicht das Modell, den Stephansdom digital zu erforschen und seine Geschichte sowie Restaurierungsarbeiten anschaulich zu vermitteln.
Digitale Schadenskartierung mit QGIS
Die Dombauhütte St. Stephan setzt digitale Werkzeuge ein, um den baulichen Zustand des Stephansdoms systematisch zu dokumentieren und langfristig zu überwachen. Mithilfe eines eigens entwickelten Kartierungssystems können Schäden, Restaurierungsmaßnahmen und deren Entwicklung über viele Jahre hinweg nachvollzogen werden.
Schäden erfassen und Restaurierungen dokumentieren
Das System hält fest, wo Schäden aufgetreten sind, welche Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt wurden und wie sich der Zustand der betroffenen Bereiche entwickelt. Dadurch können Restaurierungen langfristig nachvollzogen und ihre Nachhaltigkeit überprüft werden. Besonders bei wiederkehrenden Schadensbildern liefert die digitale Dokumentation wertvolle Erkenntnisse für zukünftige Erhaltungsmaßnahmen.
Digitale Kartierung mit QGIS
Die digitale Schadenskartierung mit QGIS ermöglicht es, Schäden am Bauwerk systematisch zu erfassen, zu analysieren und zu visualisieren. Auf dieser Grundlage wurde gemeinsam mit der TU Wien, Abteilung Städtebau, eine speziell auf die Anforderungen des Wiener Stephansdoms zugeschnittene Anwendung entwickelt.
Stonemarks – Datenbank für Steinmetzzeichen
Stonemarks ist eine von der Dombauhütte St. Stephan betreute digitale Forschungsdatenbank für historische Steinmetzzeichen. Das Projekt dokumentiert, erfasst und vernetzt Steinmetzzeichen aus unterschiedlichen Bauwerken und Regionen Europas.
Steinmetzzeichen und ihre Bedeutung
Steinmetzzeichen sind individuell gestaltete Zeichen, die von Steinmetzen auf ihren Werkstücken angebracht wurden. Sie dienten unter anderem der Identifizierung von Handwerkern und Werkstätten sowie der Organisation großer Bauprojekte. Für die Forschung ermöglichen sie wertvolle Einblicke in Baugeschichte, Handwerkernetzwerke, Wanderbewegungen von Werkleuten und die Entstehung historischer Bauwerke. Die systematische Erfassung dieser Zeichen hilft dabei, Zusammenhänge sichtbar zu machen und neues Wissen über mittelalterliche und frühneuzeitliche Bauprozesse zu gewinnen.
Offene Forschungsdatenbank
Die Stonemarks-Datenbank sammelt Steinmetzzeichen in einer zentralen digitalen Plattform und macht sie für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich. Durch die internationale Vernetzung von Datenbeständen können Zeichen miteinander verglichen, Beziehungen zwischen Bauwerken erkannt und neue Forschungsfragen entwickelt werden.
Wissensdatenbank zu St. Stephan
Die Wissensdatenbank St. Stephan ist eine von der Dombauhütte St. Stephan betriebene digitale Forschungsplattform zur Geschichte des Wiener Stephansdoms. Sie sammelt, erschließt und vernetzt historische Dokumente rund um St. Stephan und macht diese für Forschung, Denkmalpflege und interessierte Öffentlichkeit zugänglich.
Historische Quellen aus dem Stephansdom
Die Datenbank umfasst eine umfangreiche Sammlung historischer Schriftquellen zum Wiener Stephansdom. Dazu gehören unter anderem Transkriptionen der Kirchmeisterrechnungen, ein Personenverzeichnis, ein Schlagwortindex sowie ein Schriftquellenkatalog in Regestenform vom 12. bis in das 19. Jahrhundert. Die Bestände bilden eine wichtige Grundlage für die Erforschung der Bau-, Kunst- und Kulturgeschichte des Stephansdoms und unterstützen zugleich denkmalpflegerische Maßnahmen und Restaurierungsprojekte.
Offene Datenbank
Die Wissensdatenbank ermöglicht eine strukturierte Recherche in den erfassten Quellenbeständen und macht historische Informationen digital zugänglich. Die verschiedenen Daten sind miteinander verknüpft, um übergreifende und umfassende Suchanfragen zu ermöglichen. Es stehen sowohl eine Volltextsuche als auch eine Expertenabfrage zur Verfügung. Die Daten werden laufend ergänzt.
Forschunsgprojekt Nano Cathedral
EU-Projekt 2015–2018
Das EU-geförderte Forschungsprojekt Nano-Cathedral wurde von der Europäischen Kommission im Rahmen des Programms Horizon 2020 unterstützt. Es ermöglichte die Zusammenarbeit von Institutionen, Universitäten und Dombauhütten aus sechs europäischen Ländern mit dem Ziel, neue maßgeschneiderte Festigungs- und Hydrophobierungsmittel auf Basis von Nanotechnologie für den Erhalt verwitterter Natursteine zu entwickeln und zu testen.
Restaurierung mit Nanotechnologie
Das Projekt verfolgte das Ziel, maßgeschneiderte Nano-Produkte zum Schutz und zur Festigung unterschiedlicher Steinarten zu entwickeln und an bedeutenden europäischen Denkmälern zu erproben. Die neuen Materialien wurden an Kathedralen in Köln, Pisa, Genf, Vitoria und Wien sowie am Opernhaus in Oslo unter verschiedenen klimatischen Bedingungen und an unterschiedlichen Steinarten getestet. Dadurch konnten ihre Wirksamkeit und ihr Potenzial für den langfristigen Erhalt historischer Bauwerke untersucht werden. An dem internationalen Forschungsprojekt beteiligten sich Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Industrie und Denkmalpflege aus sechs europäischen Ländern.













